Europa fordert Mehrsprachigkeit

 

gefördert wird das Projekt vom Bildungsprogramm für lebenslanges Lernen der Europäischen Union, Brüssel.

Von 10 bis 16 März hat MITRA e.V. einen Grundtvig-Workshopseminar unter dem Motto "Wir sprechen Europäisch" erfolgreich durchgeführt. Das Thema der Integration über Multilingualität ist aktuell wie nie zuvor. Die Mehrsprachigkeit beginnt in der bilingualen Praxis, die mit der Bewahrung eigener Identität und einer notwendigen Anpassung auf die Aufnahmekultur verbunden ist.

An dem von MITRA organisierten Seminar haben über zwanzig Bürgerinnen und Bürger aus 14 europäischen Ländern teilgenommen. Was sie vereint ist ihr Engagement und die Überzeugung, dass Bilingualität wenn nicht gar Multilingualität trägt einer richtigen Integration wesentlich bei. Fast alle Teilnehmer gehören in ihren Ankunftsländern zu einer Minderheit der russischen Muttersprachler; vom russischen Standpunkt aus – zu den Vertretern der russischen Diaspora im sogenannten nahen oder fernen Ausland. Gemeint sind die ex-sowjetischen Republiken und die Länder des ehemaligen Ostblocks auf einer Seite und die, die zur westlichen Hemisphäre gehören – Frankreich, Schweiz, Irland, Norwegen, Österreich, Schweden, Dänemark, Italien.

Es gab Diskussionen und Präsentationen, einen runden Tisch in der Berliner Stadtverwaltung, viele produktive Gespräche in den Arbeitsgruppen (konzipiert in modernen Formen der Workshopführung wie World Café und Open Space), mit der Möglichkeit direkt über diverse persönliche Erfahrungen zu berichten und sich auszutauschen. Im Mittelpunkt dieser Gespräche und geschilderter Werdegänge standen Themen der bilingualen Erziehung und Bildung mit Hinblick auf Integrationsprobleme und Minderheitenpolitik eines jeweiligen Landes.

Im Rahmen des Seminars haben die Teilnehmer sowohl bilinguale MITRA-Einrichtungen als auch städtische und private Organisationen, wie den deutsch-französischen Kindergarten „INA“ und den deutsch-englischen Kindergarten „KITA International“ sowie die deutsch-englische „Berlin International School“ besucht. „Bleiben Sie unerschütterlich,“ – meinte verschmitzt der Direktor dieser Schule Andreas Wegener, - „das Leben ist hart, aber was besseres wurde uns nicht versprochen“.

„Wir haben produktiv gearbeitet, konzentriert und motiviert. Jedem Menschen fällt es oft schwer mit den Leuten zu kommunizieren, die man nicht gut kennt, aber diese Schwierigkeit wurde schnell überwunden. Wir haben hier neue Methoden gelernt und dafür gilt ein besonderer Dank“, – so äußerte sich Maya Osnovina, eine Lehrerin aus Frankreich. „Es kam zum kreativen und intellektuellen Konsensus“ – fügte Gendrik Petkevič, ein Professor aus Litauen, hinzu. „Mich hat die Größenordnung der Tätigkeit von MITRA begeistert, so wie es überhaupt gemacht wird: enthusiastisch und willenstark. Diese wegweisende Erfahrung und die Erfahrung aller Teilnehmer wird für uns sehr nützlich sein“, - kommentierte Valentina Vancheva aus Bulgarien. „Wir wären gerne bereit die Workshop-Sitzungen weiter und weiter zu machen und hoffen sehr, dass MITRA ihre pädagogische Know-How sozusagen offiziell patentieren lässt“, - fasste Polina Gelfreich aus Italien ihre Eindrücke zusammen. 

Alles in allem wurden viele kreative Visionen und Konzepte in Bezug auf mögliche Kooperation auf europäischer Ebene vorgestellt, Vorteile und Nachteile, Chancen und Risiken ausführlich diskutiert. Als wichtig wurden Erziehung und Bildung, Stärkung der Sprachkompetenz erkannt, auf dem Weg zum Erfolg in den Bereichen der persönlichen, schulischen, beruflichen und sozialen Integration. Es sind Vereinbarungen über den Aufbau eines einheitlichen Web-Portals getroffen worden, dessen Schwerpunkt in der Erhaltung internationaler Kontakte und Heranziehung neuer Multiplikatoren liegen wird. Dabei geht es um bilinguale Konzeptionen und Handbücher,  Ausbildungsprojekte für die Eltern sowie positive Darstellung der Bilingualität als einen entscheidenden Integrationsfaktor.

Wenn man die Thesen des zeitgenössischen deutschen Philosophen Wilhelm Schmid weiterführt, so trifft die Kultur der Zeit konstruktiv auf die Kultur des Raumes. Was daraus resultieren kann, wird die Europas Zukunft zeigen.

Dmitri Dragilew