Entstehung


Von einer Selbsthilfegruppe zum Verein

In den letzten Jahren ist die interkulturelle Bevölkerung Berlins um einen bedeutenden russischsprachigen Anteil ergänzt worden. Seit Anfang der 1990er und besonders nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 fanden mehr als 160.000 russischsprachige Migranten - deutschstämmige Spätaussiedler, jüdische Kontingentflüchtlinge, Mitglieder binationaler Familien - ihr neues Zuhause in der deutschen Hauptstadt. Der rechtliche Status und die daraus abgeleiteten Rechte dieser Subgruppen sind zwar unterschiedlich, im Hinblick auf ihre Eingliederungsprobleme in die deutsche Gesellschaft wiederum sind sie einander ähnlich.

Die Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA e. V. entstand 1993 als eine Selbsthilfegruppe von russischsprachigen Eltern und Pädagogen, die über ihre Kinder mit dem deutschen Erziehungs- und Bildungssystem konfrontiert wurden. Die Initiatoren setzten sich zur Aufgabe, das hiesige Schulsystem zu begreifen, um bei der Wahl einer Kindertagesstätte bzw. Schule für ihre Kinder die richtige Entscheidung treffen zu können und somit ihre Eingliederung zu erleichtern. Schnell stellte sich heraus, dass sich das deutsche Schulsystem in der Art der Wissensvermittlung, der Zielsetzung und im Ansatz grundsätzlich von dem in den Herkunftsländern unterschied.

Den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe war bewusst, dass die Kinder in erster Linie ihre schulische und berufliche Ausbildung erfolgreich beenden müssen, damit sie sich nicht als "Fremde" fühlen und asoziales Verhalten annehmen, sondern gleichberechtigte und würdige Bürger der deutschen Gesellschaft werden.

Kritische Auseinandersetzung mit dem deutschen und insbesondere dem Berliner Erziehungs- und Bildungssystem, sowie die mitgebrachten eigenen pädagogischen und beruflichen Erfahrungen bildeten dann die Grundlage, auf der zunächst einzelne Aktivitäten und einige gemeinsame Projekte möglich wurden.

Nach sechs Monaten der Organisierungs- und Selbstfindungsphase ist die Initiativgruppe zu dem Schluss gekommen, dass die Probleme, mit denen ihre Kinder zu tun haben, typisch für viele russischsprachige Migrantenfamilien sind. Entscheidend war die Erkenntnis, dass gerade aktive Eltern mit Migrationshintergrund bzw. Pädagogen mit Integrationserfahrungen, den betroffenen Familien das Einleben in das deutsche Bildungssystem erleichtern können.

So entstand bei einer Elternversammlung im Juni 1993 der Verein – die Interkulturelle pädagogische Gesellschaft MITRA.